Endura Scout im Steigflug vor Himmel, VTOL-Aufklärungsdrohne mit vier Rotoren und TragflächenpaarenEndura Scout Drohne im Flug, Ansicht von schräg unten mit sichtbarem Tragflächenkonzept
Endura Scout: Zwei Flugprinzipien vereint
Aufklärungsdrohne mit Tragflächenkonzept für weitreichende Überwachungsmissionen

Endura Scout: Schweben wie ein Quadrocopter, fliegen wie ein Flugzeug

Projektdaten & Vorgaben

Endura Scout - Aufklärungsdrohne

Branche: Sicherheit & Aufklärung | Defense

Unsere Leistungen: Produktdesign, Aerodynamik Design, DFMA, CGI, Animation

Auftraggeber: Vertraulich

Herausforderung: Reichweite und Ausdauer eines Quadrocopters durch integriertes Aerodynamikkonzept grundlegend steigern

Wo herkömmliche Drohnen an ihre Grenzen stoßen

Wer Drohnen für Überwachungs- und Aufklärungsmissionen einsetzt, stößt mit konventionellen Quadrocoptern schnell auf ein grundlegendes physikalisches Problem: Die Motoren müssen nahezu ihre gesamte Energie aufwenden, um das Gerät in der Luft zu halten – für den eigentlichen Vortrieb bleibt wenig übrig. Typische Flugzeiten liegen bei 15 bis 25 Minuten, was den Aktionsradius deutlich begrenzt. Dazu kommen Windempfindlichkeit, ein charakteristisches akustisches Profil durch die Rotoren und begrenzte Nutzlastkapazität für Sensorik und Optik.

Festflügler lösen diese Probleme zwar effizient, brauchen aber Startbahnen oder Katapultsysteme und können nicht schweben – was im taktischen Einsatz oft ein Ausschlusskriterium ist. Der Kunde suchte deshalb eine Plattform, die das Beste beider Welten vereint: VTOL-Fähigkeit und Schwebeflug des Quadrocopters, kombiniert mit der Reichweite und aerodynamischen Effizienz eines Flächenflugzeugs.

Endura Scout im Flug über offenem Feld, mit sichtbarer vorderer und hinterer Tragfläche
Die Canard-ähnliche Tragflächenkonfiguration verteilt den Auftrieb auf zwei Flächenpaare

Aerodynamik als Gesamtsystem entwickelt

Das Herzstück des Projekts war die Entwicklung eines Tragflächenkonzepts, das sich nahtlos in die Quadrocopter-Architektur integriert. Projekter arbeitete eng mit dem Kunden an der Auslegung einer Canard-ähnlichen Konfiguration mit zwei Flächenpaaren: Eine vordere Mitteltragfläche erzeugt rund 60 Prozent des aerodynamischen Auftriebs, ein hinterer Heckflügel oberhalb des hinteren Rotorpaares die verbleibenden 40 Prozent. Diese Anordnung – aus dem Kampfflugzeugbau bekannt – führt zu einer definierten aerodynamischen Instabilität, die die Wendigkeit des Gerätes spürbar erhöht.

Nahaufnahme des Endura-Scout-Bugs mit gimbal-gelagerter Kamera und schmaler Tragflächenkontur
Die Gimbal-Kamera im Bug sorgt für stabile Aufnahmen auch bei Wind und Bewegung

Für die Profilgeometrie fiel die Wahl auf das Eppler E214, ein speziell für niedrige Reynolds-Zahlen entwickeltes Profil mit hohem Auftrieb und geringem Widerstand, das sich für kleine UAVs im taktischen Geschwindigkeitsbereich besonders bewährt hat. Die Tragflächen mussten konstruktiv so ausgelegt werden, dass sie die schwenkbaren Rotorachsen nicht behindern und dennoch weit genug bis zum Propellerende reichen – eine geometrische Herausforderung, die Projekter in mehreren Iterationen mit dem Kunden auflöste.

Leichtbau bis ins letzte Detail

Jedes eingesparte Gramm verlängert die Missionsdauer – dieses Prinzip zog sich durch alle konstruktiven Entscheidungen. Die Innenkonstruktion basiert auf einem Sandwich-Aufbau aus Carbonplatten, auf dem sämtliche Elektronik, Steuerungstechnik und Mechanik direkt montiert sind. Die schwenkbaren Rotorachsen sind ebenfalls aus Carbon gefertigt und ermöglichen einen Schwenkbereich von bis zu 50 Grad. Die aerodynamische Außenhülle besteht aus einem Carbon-Kevlar-Laminat in dünnstmöglicher Schichtdicke: Carbon liefert die Steifigkeit, Aramid die Schlagzähigkeit gegen Feldbeanspruchung.

Die Gimbal-gelagerte Kamera im Bug ermöglicht stabil geführte Aufnahmen auch bei Bewegung und Windeinfluss. Ein längs verschiebbarer Akku gleicht unterschiedliche Kameragewichte aus und hält den Schwerpunkt konstant – eine ebenso einfache wie effektive DFMA-Lösung. Für den Feldeinsatz wurde die Hülle so gestaltet, dass das Zentralteil werkzeuglos von oben abgenommen werden kann, was Akkuwechsel und Wartung unter Einsatzbedingungen erheblich vereinfacht.

Endura Scout mit ausgefahrenen Rotorarmen im schnellen Vorwärtsflug über Wüstenterrain
Carbon-Kevlar-Laminat: maximale Steifigkeit bei minimalem Gewicht

Ergebnis: Effizienz, die mit der Geschwindigkeit wächst

Im Langsamflug verhält sich die Endura Scout ähnlich wie ein konventioneller Quadrocopter. Mit steigender Geschwindigkeit übernehmen die Tragflächen jedoch zunehmend die Gewichtskompensation und entlasten die Motoren. Der Kraftvektor verschiebt sich damit immer weiter in Richtung reiner Vorschubenergie – ein Effekt, der sich direkt in Reichweite und Ausdauer auszahlt, ohne auf VTOL oder Schwebeflugfähigkeit zu verzichten.

Das Ergebnis ist eine Plattform, die die klassischen Schwächen herkömmlicher Quadrocopter im Aufklärungseinsatz – begrenzte Flugzeit, hoher Energieverbrauch, Windempfindlichkeit – durch ein konsequentes aerodynamisches Gesamtkonzept adressiert. Fotorealistische CGI-Renderings in Tarnlackierung sowie eine Produktanimation visualisieren Flugkonzept und Systemarchitektur für Vertrieb und Kundenpräsentationen.

Endura Scout in Tarnlackierung bei Dämmerlicht, mit beleuchtetem Statusindikator am Bug
Auch im Dämmer- und Nachteinsatz bleibt die Endura Scout einsatzbereit

Learnings

Dieses Projekt hat uns gezeigt, wie viel Potenzial in der Kombination aus Quadrocopter-Agilität und Flächenflugzeug-Aerodynamik steckt – und wie früh diese Dimensionen im Designprozess zusammengedacht werden müssen. Aerodynamische Anforderungen lassen sich nicht im Nachgang auf ein bestehendes Design aufsetzen; sie bestimmen Geometrie, Schwerpunkt, Fertigungsfugen und Werkstoffwahl von Grund auf mit.

Gleichzeitig hat das Projekt bestätigt, dass Leichtbau keine Frage des Materials allein ist, sondern eine Designhaltung: jede Schicht, jede Fuge, jede Montageschnittstelle konsequent auf Gewicht und Funktion zu befragen. Die enge Abstimmung zwischen Aerodynamik-Auslegung, Konstruktion und DFMA war der entscheidende Faktor dafür, dass die Endura Scout nicht nur aerodynamisch, sondern auch fertigungsgerecht und felderprobt wurde.

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