Zwei Begriffe, eine Mission: Produkte gestalten, die begeistern
Industriedesign, Produktdesign, manchmal auch noch Gebrauchsdesign: Wer sich mit der Entwicklung neuer Produkte beschäftigt, stößt schnell auf diese Begriffe. Und genauso schnell stellt sich die Frage: Was ist eigentlich was? Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Industriedesign und Produktdesign?
Die kurze Antwort: Ja und nein. Die lange Antwort: Es kommt darauf an, wen Sie fragen und in welchem Kontext. In diesem Artikel klären wir die Begriffe, zeigen die historischen Wurzeln und erklären, warum diese Unterscheidung für Ihre Produktentwicklung wichtiger ist, als Sie vielleicht denken.
Was ist Industriedesign?
Industriedesign entstand während der industriellen Revolution, als die maschinelle Massenfertigung die handwerkliche Einzelfertigung ablöste. Plötzlich mussten Produkte nicht mehr nur funktionieren, sondern auch für die industrielle Produktion optimiert sein. Der Begriff selbst verrät schon viel: Industrie steht im Mittelpunkt.
Industriedesign konzentriert sich auf die Gestaltung von Produkten, die in Serie hergestellt werden. Es geht um die perfekte Balance zwischen Ästhetik, Funktion und Fertigbarkeit. Ein Industriedesigner denkt vom ersten Entwurf an die Produktionsmaschine mit: Welche Materialien eignen sich? Wie viele Einzelteile sind nötig? Lassen sich Baugruppen vereinfachen? Kann das Werkzeug kostengünstig hergestellt werden?
Diese Disziplin verbindet technisches Verständnis mit gestalterischer Kreativität. Industriedesigner müssen Fertigungsverfahren wie Spritzguss, CNC-Bearbeitung oder Blechumformung genauso beherrschen wie Formgebung, Ergonomie und Farbenlehre. Sie arbeiten eng mit Ingenieuren zusammen und sprechen deren Sprache. Das Ziel: ein Produkt, das nicht nur gut aussieht und funktioniert, sondern auch wirtschaftlich produziert werden kann.
Die historische Entwicklung des Industriedesigns
Die Bauhaus-Bewegung in den 1920er Jahren prägte das Industriedesign entscheidend. "Form follows function" wurde zum Leitsatz. Designer wie Dieter Rams entwickelten später bei Braun eine Designsprache, die noch heute nachwirkt. Seine zehn Thesen für gutes Design sind bis heute Standard in Designhochschulen weltweit.
In Deutschland hat das Industriedesign eine besonders starke Tradition. Die enge Verzahnung von Design und Ingenieurskunst, die hierzulande gepflegt wird, macht deutsche Produkte international so erfolgreich. Von Automobildesign über Medizintechnik bis hin zu Werkzeugen: Industriedesign "Made in Germany" steht für Qualität, Präzision und Langlebigkeit.
Was ist Produktdesign?
Produktdesign ist der breitere, umfassendere Begriff. Er beschreibt die Gestaltung jeglicher Produkte, unabhängig davon, ob diese industriell gefertigt oder handwerklich hergestellt werden. Produktdesign kann sich auf physische Gegenstände beziehen, aber auch auf digitale Produkte wie Apps oder Softwareoberflächen.
Der Fokus im Produktdesign liegt stärker auf dem Endnutzer und dessen Erlebnis mit dem Produkt. Während Industriedesign die Produktion mitdenkt, konzentriert sich Produktdesign primär auf die Frage: Wie interagiert der Mensch mit diesem Produkt? Was braucht er wirklich? Welches Problem wird gelöst?
Produktdesigner arbeiten häufig konzeptioneller. Sie entwickeln die grundlegende Idee eines Produkts, definieren dessen Funktion und gestalten das Nutzererlebnis. Die Frage der Herstellbarkeit kommt oft erst im zweiten Schritt. Das macht Produktdesign flexibler in frühen Entwicklungsphasen, birgt aber auch das Risiko, dass Entwürfe nicht oder nur schwer umsetzbar sind.
Der Unterschied in der Ausbildung
Auch in der akademischen Welt gibt es Unterschiede. Studiengänge für Industriedesign legen traditionell mehr Wert auf technisches Verständnis, Werkstoffkunde und Fertigungstechnik. Produktdesign-Studiengänge fokussieren stärker auf Gestaltung, User Research und konzeptionelles Arbeiten.
Diese Unterscheidung verschwimmt allerdings zunehmend. Moderne Design-Studiengänge kombinieren beide Ansätze, weil die Praxis genau das fordert: Designer, die sowohl nutzerzentriert denken als auch die Produktion verstehen.
Die Gemeinsamkeiten von Industriedesign und Produktdesign
So unterschiedlich die Begriffe klingen mögen, in der Praxis überschneiden sie sich massiv. Beide Disziplinen verfolgen das gleiche Ziel: Produkte zu schaffen, die funktionieren, gut aussehen und Menschen einen echten Mehrwert bieten.
Kernelemente beider Disziplinen:
- Funktionalität: Das Produkt muss seinen Zweck erfüllen, zuverlässig und intuitiv
- Ästhetik: Form, Farbe und Oberflächengestaltung müssen überzeugen und zur Marke passen
- Ergonomie: Das Produkt muss komfortabel und sicher in der Anwendung sein
- Nachhaltigkeit: Materialwahl, Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit gewinnen an Bedeutung
- Wirtschaftlichkeit: Das Produkt muss bezahlbar bleiben, sowohl in der Herstellung als auch für den Endkunden
In modernen Design-Agenturen wie PROJEKTER verschmelzen beide Ansätze zu einem ganzheitlichen Prozess. Wir denken vom Nutzer her und berücksichtigen gleichzeitig die Produktionsrealität. Denn was bringt das schönste Konzept, wenn es nicht gebaut werden kann? Und was nützt die perfekte Fertigungslösung, wenn niemand das Produkt kaufen möchte?

Wann brauchen Sie Industriedesign, wann Produktdesign?
Diese Frage stellen sich viele Unternehmen zu Beginn eines Projekts. Die ehrliche Antwort: Sie brauchen beides. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten, je nach Projektphase und Produkttyp.
Produktdesign ist besonders wichtig in der frühen Konzeptphase. Wenn Sie eine neue Produktidee entwickeln, einen neuen Markt erschließen oder Innovation vorantreiben wollen, brauchen Sie zunächst kreative Freiheit. Hier steht die Frage im Vordergrund: Was wollen wir eigentlich schaffen? Für wen? Mit welchem Nutzen?
Industriedesign wird entscheidend, sobald es konkret wird. Wenn das Konzept steht und die Umsetzung ansteht, kommen die harten Fakten: Materialien, Werkzeuge, Stückkosten, Fertigungstoleranz. Ein gutes Industriedesign kann hier Produktionskosten erheblich senken und gleichzeitig die Qualität steigern.
Beispiele aus der Praxis:
Ein Hersteller von Elektrowerkzeugen benötigt primär Industriedesign. Die Produkte müssen robust sein, in hohen Stückzahlen gefertigt werden und strengen Sicherheitsanforderungen genügen. Gleichzeitig muss die Ergonomie stimmen, denn Handwerker arbeiten täglich damit.
Ein Start-up, das ein neuartiges Küchengadget entwickelt, startet eher mit Produktdesign. Die Idee muss erst einmal überzeugend gestaltet werden, Prototypen müssen her, Marktfeedback ist nötig. Erst wenn klar ist, dass das Produkt ankommt, wird das Industriedesign wichtig, um es effizient zu produzieren.
Industriedesign und Produktdesign in der Praxis: Der integrierte Ansatz
Die erfolgreichsten Produkte entstehen dort, wo beide Disziplinen Hand in Hand arbeiten. Wir bei PROJEKTER Industrial Design verfolgen genau diesen integrierten Ansatz. Unsere Designer verstehen Fertigung, unsere Fertigungsexperten verstehen Design.
Dieser Ansatz hat konkrete Vorteile:
Schnellere Markteinführung: Wenn von Anfang an klar ist, wie ein Produkt gefertigt wird, entfallen spätere, teure Umkonstruktionen. Was im 3D-Modell toll aussieht, scheitert oft an der Realität der Produktionshalle. Wer beide Welten kennt, vermeidet diese Falle.
Geringere Entwicklungskosten: Jede Designänderung in einer späten Projektphase kostet Geld und Zeit. Werkzeuge müssen angepasst, Prototypen neu gebaut, Tests wiederholt werden. Ein durchdachtes Design von Beginn an spart diese Schleifen.
Höhere Produktqualität: Ein Produkt, das sowohl nutzerzentriert gestaltet als auch fertigungsgerecht konstruiert ist, überzeugt auf ganzer Linie. Es funktioniert besser, fühlt sich hochwertiger an und hält länger.
Die Rolle von Prototyping
Ein weiterer Vorteil des integrierten Ansatzes zeigt sich beim Prototyping. In unserer eigenen Prototypenfertigung können wir Ideen schnell greifbar machen. So lässt sich frühzeitig testen, ob ein Design funktioniert und wie es sich anfühlt. Diese iterative Arbeitsweise verbindet konzeptionelles Produktdesign mit der Machbarkeitsprüfung des Industriedesigns.
Zukunftstrends: Wie sich Industriedesign und Produktdesign weiterentwickeln
Die Grenzen zwischen Industriedesign und Produktdesign werden zunehmend fließend. Neue Technologien wie 3D-Druck, generative KI und digitale Zwillinge verändern beide Disziplinen grundlegend.
Additive Fertigung ermöglicht komplexe Geometrien, die früher nicht herstellbar waren. Das eröffnet Designern neue Freiheiten, erfordert aber auch neues Wissen über diese Fertigungsverfahren. Plötzlich sind Formen möglich, die bisher undenkbar waren, was das klassische Industriedesign herausfordert.
Nachhaltigkeit wird zum zentralen Designkriterium. Designer müssen heute über den gesamten Produktlebenszyklus nachdenken: Materialherkunft, Energieverbrauch in der Produktion, Nutzungsphase und Recyclingfähigkeit. Das erfordert eine ganzheitliche Perspektive, die beide Disziplinen vereint.
Digitalisierung verändert die Arbeitsweise fundamental. Virtual Reality ermöglicht es, Entwürfe zu erleben, bevor der erste Prototyp gebaut ist. Simulationssoftware testet Belastungen und Materialverhalten digital. Das beschleunigt den Designprozess und macht ihn gleichzeitig präziser.
Design für Kreislaufwirtschaft
Ein besonders spannender Trend ist die Circular Economy. Produkte werden nicht mehr linear gedacht (produzieren, nutzen, wegwerfen), sondern zirkulär. Das bedeutet: Jedes Bauteil muss am Lebensende wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Designer müssen heute schon die Demontage und Wiederverwertung mitdenken. Hier verschmelzen Industriedesign und Produktdesign vollständig, denn es geht um nutzerzentrierte Gestaltung UND um fertigungsgerechte Konstruktion UND um nachhaltige Materialwahl.
Warum die Unterscheidung letztlich nicht so wichtig ist
Nach all diesen Erklärungen kommen wir zu einer überraschenden Erkenntnis: Die begriffliche Unterscheidung zwischen Industriedesign und Produktdesign ist in der täglichen Arbeit oft nebensächlich. Entscheidend ist vielmehr, dass alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden:
- Versteht das Design-Team die Bedürfnisse der Nutzer?
- Kennen die Designer die Möglichkeiten und Grenzen der Fertigung?
- Wird nachhaltig und zukunftsorientiert gedacht?
- Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?
- Passt das Produkt zur Markenstrategie?
Ein gutes Design-Team beherrscht alle diese Dimensionen, unabhängig davon, ob auf der Visitenkarte "Industriedesigner" oder "Produktdesigner" steht. Bei PROJEKTER arbeiten wir mit einem Team, das beides kann und je nach Projektphase die passenden Schwerpunkte setzt.
Fazit: Integriertes Design ist die Zukunft
Industriedesign und Produktdesign sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Industriedesign bringt das technische Know-how und die Fertigungsexpertise mit, Produktdesign die nutzerzentrierte Perspektive und konzeptionelle Stärke. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo beide Ansätze verschmelzen.
Für Unternehmen, die neue Produkte entwickeln wollen, bedeutet das: Suchen Sie Partner, die beide Welten verstehen. Die nicht nur schöne Entwürfe liefern, sondern diese auch in die Produktion bringen können. Die Ihre Fertigung kennen, Ihre Prozesse verstehen und trotzdem innovativ denken.
Mit über 20 Jahren Erfahrung und mehr als 800 entwickelten Produkten haben wir bei PROJEKTER gelernt: Die erfolgreichsten Projekte sind jene, bei denen wir von Anfang an beide Perspektiven einnehmen. Wo wir nicht nur fragen "Wie soll es aussehen?", sondern auch "Wie bauen wir es?". Und wo wir nicht nur fragen "Wie fertigen wir es?", sondern auch "Wie fühlt es sich für den Nutzer an?".
Genau diese Kombination macht den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Produkt aus. Und letztlich ist das die einzige Unterscheidung, die wirklich zählt.







