Mehr als Ästhetik: Was erfolgreiche Produkte von gescheiterten unterscheidet
Jedes Produkt, das heute auf dem Markt erfolgreich ist, hat eines gemeinsam: Es wurde nicht nur entwickelt, es wurde gestaltet. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Produktdesign? Und warum entscheidet gutes Produktdesign so maßgeblich darüber, ob ein Produkt beim Käufer ankommt oder im Regal verstaubt?
Dieser Artikel erklärt, was Produktdesign wirklich bedeutet, welche Disziplinen dahinterstecken und warum es weit mehr ist als die Frage, wie etwas aussieht.
Was ist Produktdesign? Die Definition
Produktdesign ist die systematische Gestaltung physischer Produkte mit dem Ziel, Funktion, Ästhetik und Nutzererfahrung optimal in Einklang zu bringen. Es umfasst den gesamten Prozess von der ersten Idee über die Konzeptentwicklung bis hin zur produktionsfertigen Gestaltung. Der Rat für Formgebung - Deutschlands offizielle Design-Institution - definiert Design als strategischen Faktor, der Innovationen sichtbar und wirtschaftlich wirksam macht.
Dabei geht Produktdesign weit über das reine „Styling" hinaus. Es ist eine strategische Disziplin, die technische Machbarkeit, Nutzeranforderungen, Fertigungsprozesse und Markenpositioning von Anfang an zusammendenkt.
Eine treffendere Definition lautet deshalb:
Produktdesign ist die Kunst, ein Problem so zu lösen, dass die Lösung für den Nutzer selbstverständlich wird - und für den Hersteller wirtschaftlich.
Produktdesign vs. Industriedesign: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, unterscheiden sich aber in ihrer Herkunft und ihrem Fokus.
Industriedesign ist der klassischere Begriff, der sich historisch auf die serielle Massenproduktion industrieller Erzeugnisse bezieht - Werkzeuge, Maschinen, Haushaltsgeräte, Fahrzeuge. Der Fokus liegt auf Funktionalität, Fertigungsgerechtheit und dem Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik.
Produktdesign ist der modernere, etwas breitere Begriff. Er schließt die Gestaltung aller physischen Produkte ein, betont aber stärker die Nutzerperspektive und die wirtschaftliche Wirkung des Designs.
In der Praxis sind beide Disziplinen eng verzahnt - besonders im B2B-Umfeld, wo Produkte sowohl industriell gefertigt als auch von echten Menschen benutzt werden müssen. Einen ausführlichen Vergleich beider Begriffe findest du in unserem Artikel Industriedesign vs. Produktdesign: Was ist der Unterschied?.
Die 4 Dimensionen guten Produktdesigns
Was macht ein Produkt wirklich gut gestaltet? In unserer Arbeit mit Herstellern aus Medizintechnik, Elektrowerkzeug, Sportgeräten und vielen weiteren Industrien haben wir vier Dimensionen identifiziert, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden:
1. Funktion - das Produkt muss seinen Job erledigen
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Produkte funktionieren technisch einwandfrei, scheitern aber daran, dass sie im echten Nutzungskontext versagen. Ein ergonomisch schlechter Griff, eine unlogische Bedienreihenfolge, ein zu schweres Gehäuse für den Einsatz auf der Baustelle – das sind Designprobleme, keine Ingenieurprobleme.
Gutes Produktdesign beginnt deshalb immer mit einer Frage: Wie, wann und unter welchen Bedingungen wird dieses Produkt wirklich benutzt?
2. Ästhetik - das Produkt muss Vertrauen auslösen
Ästhetik ist kein Luxus, sondern Kommunikation. Bevor ein Nutzer ein Produkt in die Hand nimmt, hat er bereits eine Erwartungshaltung aufgebaut – allein durch das Aussehen. Form, Proportion, Materialwirkung und Farbgebung signalisieren: Ist dieses Produkt robust? Präzise? Hochwertig?
Besonders im B2B-Bereich unterschätzen Hersteller diesen Effekt regelmäßig. Dabei zeigen unsere Projekte immer wieder: Zwei technisch identische Produkte, unterschiedlich gestaltet, werden vom Käufer als fundamental unterschiedlich in Qualität wahrgenommen. Der Design Council UK belegt in seiner Forschung, dass Unternehmen mit starkem Designfokus im Schnitt deutlich besser performen als ihre Wettbewerber - sowohl in Umsatz als auch in Börsenwert.
3. Fertigungsgerechtheit - das Produkt muss produzierbar sein
Hier trennt sich professionelles Produktdesign von Designstudios, die nur die Oberfläche gestalten. Ein Design, das sich nicht effizient fertigen lässt, ist kein gutes Design – egal wie schön es aussieht.
Fertigungsgerechtes Design (DFMA - Design for Manufacturing and Assembly) denkt Produktionsprozesse, Materialien und Montageschritte von Beginn an mit. Das spart nicht nur Kosten, sondern verhindert teure Korrekturschleifen in späteren Entwicklungsphasen. Wie wir diesen Ansatz in der Praxis umsetzen, beschreiben wir auf unserer Leistungsseite zu Design für Fertigung und Montage.
4. Nachhaltigkeit - das Produkt muss verantwortungsvoll gestaltet sein
Nachhaltigkeit im Produktdesign bedeutet nicht, auf Funktion oder Ästhetik zu verzichten. Es bedeutet, von Anfang an ressourcenschonend zu denken: Weniger Material, längere Lebensdauer, reparierbare Konstruktionen, recyclingfähige Komponenten.
Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll - es schafft auch klare Wettbewerbsvorteile, weil Kunden und Regulatorik zunehmend danach fragen. Die Ökodesign-Verordnung der EU macht nachhaltige Gestaltung für viele Produktkategorien zunehmend zur Pflicht, nicht zur Kür. Mehr dazu auf unserer Leistungsseite zu nachhaltigem Produktdesign.
Der Produktdesign-Prozess: Vom Problem zur Lösung
Gutes Produktdesign folgt keinem starren Rezept, aber einer bewährten Logik. Diese fünf Phasen beschreiben, wie aus einer vagen Idee ein marktreifes Produkt wird:
Phase 1 - Research & Problemverständnis: Bevor irgendetwas gestaltet wird, steht das tiefe Verständnis des Problems. Wer sind die Nutzer? Was sind ihre Frustrationen mit bestehenden Lösungen? Welche technischen Randbedingungen gibt es? Welche Fertigungskapazitäten stehen zur Verfügung?
Phase 2 - Konzeptentwicklung: In dieser Phase entstehen erste Ideen – schnell, skizzenhaft, ohne Anspruch auf Perfektion. Das Ziel ist Breite: viele Richtungen ausprobieren, um die vielversprechendsten zu identifizieren. Hier zahlt sich interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren besonders aus.
Phase 3 - Ausarbeitung & Prototyping: Die besten Konzepte werden verfeinert und in greifbare Prototypen überführt. Ob 3D-Druck, CNC-gefräste Modelle oder digitale Simulationen – Prototypen machen abstrakte Ideen testbar. Fehler in dieser Phase zu finden ist günstig. Fehler in der Serienfertigung zu finden ist teuer.

Phase 4 - Testing & Iteration: Prototypen werden getestet - mit echten Nutzern, unter realen Bedingungen. Was funktioniert? Was nicht? Jede Iteration bringt das Produkt näher an seine finale Form.
Phase 5 - Design-Finish & Produktionsvorbereitung: Das finale Design wird in produktionsgerechte Daten übersetzt: CAD-Modelle, technische Zeichnungen, Materialspezifikationen. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass das Design skalierbar ist – vom Prototyp zur Kleinserie, von der Kleinserie zur Massenproduktion.
Wann braucht ein Unternehmen professionelles Produktdesign?
Eine Frage, die wir in Erstgesprächen oft hören: „Brauchen wir wirklich eine Designagentur, oder können wir das intern lösen?"
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber es gibt typische Situationen, in denen externes Produktdesign klare Vorteile bringt:
- Neuproduktentwicklung ohne internes Designteam: Der häufigste Fall. Konstrukteure und Ingenieure sind vorhanden, aber die gestalterische und nutzerzentrierte Perspektive fehlt.
- Redesign eines etablierten Produkts: Ein bestehendes Produkt soll optisch oder funktional auf den neuesten Stand gebracht werden, ohne die technische Basis zu verändern.
- Markteintritt in neue Segmente: Ein Produkt, das bisher im B2B-Umfeld verkauft wurde, soll ins Endkundengeschäft. Oder umgekehrt. Die Gestaltungsanforderungen sind fundamental unterschiedlich.
- Kostendruck in der Fertigung: Das aktuelle Design ist zu komplex, zu teuer in der Herstellung, zu fehleranfällig in der Montage. Fertigungsgerechtes Redesign ist die Lösung.
- Award-Strategie: Designauszeichnungen wie der iF Design Award oder der Red Dot Award sind keine Eitelkeit, sondern B2B-Kaufargument. Sie signalisieren Qualität, bevor der Käufer das Produkt in die Hand nimmt.
Was kostet Produktdesign?
Das ist eine der meistgestellten Fragen und eine, die sich pauschal nicht beantworten lässt. Die Bandbreite ist groß, weil die Aufgaben groß sind: Ein einfaches Redesign eines Gehäuses ist etwas anderes als die vollständige Neuentwicklung eines medizintechnischen Geräts.
Was wir sagen können: Professionelles Produktdesign ist keine Kostenstelle, sondern eine Investition. Produkte, die besser gestaltet sind, verkaufen sich besser, werden seltener reklamiert, lassen sich effizienter fertigen und stärken die Marke. Der ROI ist real, auch wenn er sich schwerer in eine Tabellenkalkulation einträgt als Materialkosten.
Fazit: Produktdesign ist keine Abteilung - es ist eine Haltung
Die besten Produkte entstehen nicht, weil irgendwann am Ende der Entwicklung jemand fragt, wie es aussehen soll. Sie entstehen, weil Gestaltung von der ersten Minute mitgedacht wird - zusammen mit Ingenieuren, Fertigungsexperten und dem echten Nutzer vor Augen.
Produktdesign ist der Unterschied zwischen einem Produkt, das funktioniert, und einem Produkt, das überzeugt.
SIe entwickeln gerade ein neues Produkt oder willst ein bestehendes auf das nächste Level bringen? Lassen SIe uns unverbindlich darüber sprechen.







